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Prostatakrebs

Die Aufgabe der Prostata:

Die Prostata liegt zwischen der Harnblase und dem äußeren Schließmuskel, der für die Urinentleerung notwendig ist und bildet den Großteil der Samenflüssigkeit. Beim Samenerguss kommt es durch eine Zusammenziehung der Prostata zur Entleerung der Samenflüssigkeit.

Der Prostatakrebs:

Der Prostatakrebs ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters und tritt selten vor dem 50. Lebensjahr auf. Er ist der am häufigsten neu diagnostizierte Tumor und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern. In Deutschland sterben jährlich etwa 12.000 Patienten an einem Prostatakarzinom. Im lokal begrenzten Stadium ist es durch eine radikale Operation oder eine Strahlentherapie in mehr als 80% langfristig heilbar. Nicht jeder Mann verstirbt zwangsläufig an einem Prostatakarzinom, dies weiß man aus Untersuchungen von Unfallopfern oder Patienten in höherem Alter, die an anderen Erkrankungen verstarben und einen so genannten klinisch nicht bedeutsamen Tumor der Prostata hatten, an dem sie vermutlich nie gestorben wären. Möglicherweise hängt eine fettreiche Ernährung mit der Entwicklung eines bösartigen Prostatatumors zusammen. Da dieser Tumor nur in frühen Stadien heilbar ist, kommt der Früherkennung eine entscheidende Bedeutung zu. Um den Zwiespalt einer „Übertherapie“ und einer sinnvollen heilenden Therapie zu überbrücken, muss die Früherkennungsuntersuchung des Prostatakarzinoms den aufgeführten Anforderungen gerecht werden.

Früherkennung des Prostatakarzinoms:

Die Früherkennung des Prostatakarzinoms wird für Männer ab dem 50. Lebensjahr, bzw. ab dem 45. Lebensjahr für Patienten deren Vater oder Bruder an einem Prostatakarzinom erkrankt ist, empfohlen. Die ungefähr kastaniengroße Prostata kann mit dem Finger vom Enddarm her ertastet werden. Eine ertastete knotige Veränderung kann auf einen bösartigen Tumor hinweisen. Dies ist dann aber meist kein sog. „Anfangskrebs“ mehr. Die Palpation entdeckt nur einen geringen Prozentsatz der Karzinome und ist untauglich als Maßnahme zur Früherkennung. Seit Ende der 80er Jahre kann mit einem Bluttest das so genannte „Prostataspezifische Antigen (PSA)“ bestimmt werden. Das PSA, ein Eiweißmolekül, das zur Verflüssigung der Samenflüssigkeit notwendig ist. Bei einem PSA-Wert von z.Zt. ab 4 ng/ml wird weiter untersucht. Nicht alle erhöhten Werte deuten auf einen bösartigen Tumor hin, eine mögliche Ursache kann z.B. eine Entzündung der Prostata sein. Auch Einwirkungen auf die Prostata relativ kurz vor der Blutabgabe, wie Radfahren, Geschlechtsverkehr, Verstopfung etc., können den PSA-Wert kurzfristig erhöhen.

Behandlung rechtzeitig erkannter Tumoren:

Das Prostatakarzinom metastasiert typischerweise in die Beckenlymphknoten und Knochen. Je nach Befund kann vor einer Therapie die Entnahme von Lymphknoten und eine Nuklearmedizinische Untersuchung des Skeletts erforderlich sein, um Metastasen auszuschließen. Liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein lokal begrenzter Tumor vor, ist eine definitive Therapie in Form der radikalen Operation oder der Strahlenbehandlung anzustreben. Typische Nebenwirkungen wie fehlende Gliedsteife und Verletzung des äußeren Blasenschließmuskels mit Urininkontinenz (gelegentliches Harnträufeln bis hin zur vollständigen Unmöglichkeit, Harn halten zu können), treten bei beiden Therapieformen in einem ähnlichen Umfang auf. Dennoch können moderne Therapieformen eine akzeptable Lebensqualität herstellen, insbesondere auch deswegen, weil die Orgasmusfähigkeit nicht grundsätzlich beeinträchtigt wird.

Behandlung fortgeschrittener Tumoren:

Ein fortgeschrittenes Tumorstadium ist nicht heilbar. Eine Hormonentzugstherapie wird als erste Therapie sofort oder auch verzögert eingeleitet. Diese wird durch Depotspritzen, die die Testosteronbildung verhindern, oder durch Tabletten, die die Testosteronwirkung aufheben durchgeführt. Diese kann auch intermittierend angewendet werden, um in den Therapiepausen den Patienten eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Ziel einer solchen Therapie ist es, den Prostatakrebs unter Kontrolle zu halten.

Zu den Nebenwirkungen der Hormonentzugstherapie gehört der Verlust der durch das männliche Geschlechtshormon stimulierten Körperfunktionen. Es kommt üblicherweise zum Verlust der Erektionsfähigkeit (Gliedsteifigkeit) und zu einem Verlust des Geschlechtstriebes, weiterhin zu individuell sehr unterschiedlich starken Hitzewallungen, mentalen Beeinträchtigungen und nachlassendem Bartwuchs, in einigen Fällen kann eine schmerzhafte Brustschwellung entstehen. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass ein derart komplexes System einen Spezialisten erfordert, der in enger Vernetzung z.B. mit Hausärzten, Strahlentherapeuten und Onkologen die Diagnostik und eine stadiengerechte Therapieberatung des Patienten durchführt, so dass der Patient eine informierte Entscheidung treffen kann. Ganz wichtige Aspekte sind auch Lebenssituation und Präferenzen des Patienten, die in die Beratung mit einbezogen werden sollen, so dass eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Therapieentscheidung getroffen werden kann.

Weitere Fragen kann jeder Urologe individuell klären.

Chr. Börgermann